Jakob Laurenz Custer

Keiner hat das Ansehen von Schloss Grünenstein mehr geprägt als Jakob Laurenz Custer (1755 – 1828). Er war reicher Handelskaufmann, Schlossherr mit Stil, Staatsmann wider Willen, fürsorgliches Familienoberhaupt und des „Rheintals grösster Bürger und Wohltäter“.

In Altstätten als Sohn eines Leinwandhändlers geboren, verbrachte Jacob Laurenz Custer seine Jugendzeit im humanistischen „Philanthropin“ in Haldenstein. Anschliessend trat er ins väterliche Geschäft ein und wurde während knapp fünf Jahren u.a. in Genf und Marseille geschult. Als 21 Jähriger heiratete J.L. Custer seine Tante Anna Magdalena Heer, nachdem er gerufen wurde, den Leinwandhandel seines verstorbenen Onkels am Löwenhof in Rheineck zu übernehmen, wo künftig sein Hauptwohnsitz war. Custers Stieftochter Anna Regina Heer heiratete später seinen Bruder Johann Friedrich. Eigene Kinder blieben dem Paar versagt.

1791 kaufte Jakob Laurenz Custer – obwohl bereits in Besitz des Schloss Weinstein ob Marbach – das Schloss Grünenstein, das fortan zu seinem Sommerwohnsitz wurde.

Im Zuge der hierzulande ersten Wirren nach der französischen Revolution übernahm Custer auf vielseitiges Drängen mehrere Ämter. Custer war Tagsatzungsdelegierter, anschliessend Landesstatthalter der kurzlebigen Republik Rheintal, ein Jahr später Stadtammann von Rheineck und kurz darauf gar Finanzminister der Helvetischen Republik, um diese aus dem Schuldenloch zu ziehen. Aber auch Custer konnte die Helvetik 1802 nicht mehr vor dem Zusammenbruch retten. Custer gehörte zum Kreis derer, die darauf Napoleon um Vermittlung ersuchten und enttäuscht aus Paris zurückkehrten, da seine Ideen für einen Kanton Säntis jenen für den Kanton St. Gallen unterlagen. Dennoch war Custer ab 1803 im neu geschaffenen Kanton Ständerat, Kantonsrat und Erziehungsrat, zuletzt 1815 Verfassungsrat, bevor er sich zwei Jahre später von all seinen Ämtern zurückzog.

Zum „Wohltäter des Rheintals“ aber wurde Jakob Laurenz Custer dank seiner grosszügigen Zuwendungen. Allein für Schul- und Armenfonds zahlte er mehr als doppelt so viel wie für Schloss Grünenstein (knapp 70’000 Gulden – auf die heutige Zeit übertragen geschätzte rund 20 Millionen Franken). Daneben trieb Custer die trigonometrische Vermessung voran und liess die erste umfassende Karte des Rheintals anfertigen.

Auch ein grosses Herz hört einmal auf zu schlagen. Custer starb 1828, seine Taten aber wirken bis heute nach. Bereits ein Jahr nach seinem Tod wurde ihm zu Ehren im Weiher im Schlosspark ein schlichtes Denkmal errichtet.

Urkunde zur Einweihung des Schlossdenkmals (PDF ca. 2.5MB)

Vortrag von Peter J. Schaps