Max Custer (26.11.1916 – 11.01.2015)

Die Custer'schen Familienstiftungen, denen Jakob Laurenz Custer Grünenstein testamentarisch vermacht hatte, hat Schloss Grünenstein jahrzehntelang verwaltet auch unterhalten, aber in keiner Art und Weise weiterentwickelt. Da der Unterhalt mehr kostete als das Schloss einbrachte, wollte die Stiftung das Schloss verkaufen. Max Custer und sein Bruder Walter gehörten zu den Begünstigten der Custer'schen Familienstiftungen, und wehrten sich gegen einen Übergang von Grünenstein in ausserfamiliäre Hände. So einigte man sich 1982 auf einen Verkauf des Schlosses mit Umland an die neu gegründete Gut Grünenstein AG, anfänglich ganz im Besitz von Max und Walter Custer.

Bald stiess auch Jürg Schindler als Grossaktionär dazu; er ist ein Nachfahre des Erbauers Fridolin Schindler. Max war von Anfang an die treibende Kraft hinter der Übernahme und Revitalisierung, die er, wie es seine Art war, zielstrebig an die Hand nahm. Das bedeutete in erster Linie, eine starke Vermehrung des Wohnraumes und eine gewisse Öffnung für die Öffentlichkeit. Das konnten Kleinigkeiten sein, wie das Abschrauben das Schildes 'Privat - Durchgang verboten' oder Grösseres insbesondere die Renovation von 1983:

Für mehr Wohnraum liess Max Custer im Ostflügel die 2 bestehenden Wohnungen erneuern, in der unteren Winde zwei neue Wohnungen bauen und noch Einzelzimmer vermietbar einrichten.

Der Westflügel wurde zu dieser Zeit nach den Plänen von Max' Sohn Lorenzo in seiner heutigen Gestalt erstellt: Er bestand nämlich seit der Erbauung 1781 im Wesentlichen nur aus einer Süd-Fassade und dem Dach, hinter der Fassade waren nur Bretterverschläge, früher einmal als Stall und Remise benutzt. Max Custer liess drei moderne Wohnungen, eine Office-Küche, WC-Anlagen, Eingang und einen Lift bauen, dazu einen Zugang von der Schluchtstrasse her.

Bei diesen grösseren Vorhaben war ein ständiger Dialog mit der kantonalen Denkmalpflege unabdingbar, wobei fairerweise gesagt werden muss, dass sowohl diese wie auch die Gemeinde Balgach stets unterstützend gewirkt haben.

Max Custer bezog mit seiner Frau eine der neuen Wohnungen im Ostflügel selber und organisierte die Vermietung der Räumlichkeiten im Turm für Veranstaltungen, wobei die beiden auch selbst tatkräftig Hand anlegten beim Dekorieren, Um- und Aufräumen, Putzen usw., und zwar bis ins Alter von 80 Jahren. Verwaltungsratspräsident der Gut Grünenstein AG blieb er noch bis 2006, danach wurde er zum Ehrenpräsidenten.

Er freute sich sehr, dass vermehrt Leben ins Schloss kam, eine Familie mit Kindern war auch dabei, Enkel kamen häufig zu Besuch und verbrachten ihre Ferien auf Grünenstein. Das entschädigte ihn teilweise für die grosse Arbeit, die er im Alter noch auf sich nahm, um Grünenstein für die Familie zu retten. Sein Konzept, Wohnungen und Öffentlichkeit, ist letztlich aufgegangen, wenn auch knapp. Bis heute können die Unterhaltskosten aus den Erträgen bezahlt werden, nur auf eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals muss zum Teil verzichtet werden.

Nach einer kurzen Zwischenzeit im Tessin zog Max 2007 mit seiner Frau, die Ende 2009 starb, ins Verahus, das Altersheim von Balgach gleich unterhalb von Schloss Grünenstein, wo er am 11.01.2015 verstorben ist.